Nach einem Unfall passiert vieles gleichzeitig: Adrenalin, andere Verkehrsteilnehmer, vielleicht ein aufgebrachter Unfallgegner. Genau in dieser Lage werden Entscheidungen getroffen, die später schwer zu korrigieren sind. Die folgende Reihenfolge hilft, den Überblick zu behalten.
1. Absichern, dann alles andere
Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen, bevor Sie aussteigen, und das Warndreieck in ausreichendem Abstand aufstellen. Als Richtwerte gelten innerorts etwa 50 Meter, auf Landstraßen 100 Meter und auf der Autobahn rund 200 Meter. Erst danach kümmern Sie sich um Fahrzeuge und Papiere.
Gibt es Verletzte, hat der Notruf 112 Vorrang vor allem anderen. Auch leichte Beschwerden wie Nackenschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden. Beschwerden nach einem Aufprall treten häufig verzögert auf.
2. Polizei: wann sie sinnvoll ist
Die Polizei sollte hinzugezogen werden, wenn Personen verletzt wurden, die Schuldfrage unklar ist, der Schaden erheblich erscheint, ein Beteiligter sich entfernen will, ein Firmen- oder Mietfahrzeug beteiligt ist oder der Verdacht auf Alkohol- beziehungsweise Drogeneinfluss besteht.
Bei einem kleinen Blechschaden mit eindeutiger Lage und kooperativen Beteiligten wird oft darauf verzichtet. Dann ersetzen Ihre eigenen Aufnahmen die polizeiliche Dokumentation und sollten entsprechend gründlich ausfallen.
3. Daten austauschen, vollständig
Notieren Sie:
- Name, Anschrift und Telefonnummer aller Beteiligten
- Kennzeichen und Fahrzeugtyp
- Versicherung und, wenn verfügbar, die Versicherungsscheinnummer
- Ort, Datum und Uhrzeit
- Namen und Kontaktdaten von Zeuginnen und Zeugen
Der letzte Punkt wird am häufigsten vergessen und ist am schwersten nachzuholen. Wer nach zwei Wochen einen Zeugen sucht, findet ihn in der Regel nicht mehr.
4. Fotografieren: erst Übersicht, dann Detail
Beginnen Sie mit der Endstellung der Fahrzeuge aus mehreren Richtungen, inklusive Straßenverlauf, Verkehrszeichen und Fahrbahnmarkierungen. Diese Aufnahmen lassen sich später nicht mehr nachholen, sobald die Fahrzeuge bewegt wurden.
Danach fotografieren Sie jeden Schaden einzeln und formatfüllend, auch am gegnerischen Fahrzeug. Halten Sie außerdem Bremsspuren, Glassplitter, abgerissene Teile sowie Kilometerstand und Fahrzeugpapiere fest.
Ein einfacher Trick: Legen Sie einen Gegenstand bekannter Größe neben den Schaden. Das erleichtert später die Einordnung der Ausdehnung.
5. Kein Schuldanerkenntnis an der Unfallstelle
Auch wenn es die Situation entspannen würde: Unterschreiben Sie an der Unfallstelle nichts, was einer Schuldanerkennung gleichkommt. Die Bewertung der Haftung erfolgt später auf Basis der Fakten und Sie können den Ablauf unmittelbar nach dem Aufprall selten vollständig überblicken.
6. Schaden melden und dokumentieren lassen
Melden Sie den Schaden Ihrer eigenen Versicherung, unabhängig von der Schuldfrage. Und lassen Sie den Schaden begutachten, bevor repariert wird. Sobald ein Bauteil getauscht ist, lässt sich der ursprüngliche Zustand nicht mehr überprüfen.
Bei einem unverschuldeten Haftpflichtschaden können Sie als Geschädigter grundsätzlich selbst entscheiden, wer Ihr Fahrzeug begutachtet. Sie sind nicht verpflichtet, einen von der gegnerischen Versicherung vorgeschlagenen Dienstleister zu beauftragen.
7. Belege sammeln
Heben Sie alles auf, was im Zusammenhang mit dem Unfall Kosten verursacht: Abschleppen, Mietwagen, Taxifahrten, Zuzahlungen, Nutzungsausfall. Diese Positionen gehen erfahrungsgemäß unter, wenn sie nicht von Anfang an gesammelt werden.
Kurz zusammengefasst
Sichern, dokumentieren, Daten austauschen, nichts unterschreiben, begutachten lassen, in dieser Reihenfolge. Was Sie in den ersten dreißig Minuten festhalten, bestimmt maßgeblich, wie belastbar Ihre Position in den folgenden Wochen ist.